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Alles schonmal da gewesen...

Aktualisiert: März 23


Der Trost des Don Camillo

Wenn sonntags die Messen ausfallen, muss man als Seelsorger kreativ sein.

Die frohe und tröstende Botschaft will unter die Leute...


Im Klassiker "Don Camillos Rückkehr" aus dem Jahr 1953 richtet Don Camillo zuversichtliche Worte an seine Gemeinde, die wegen des Hochwassers in Brescello nicht in die Kirche kommen kann...






Dieser kleine Filmausschnitt hat Hanna Erdmann am 4. Sonntag der Fastenzeit 2020 zu folgenden Gedanken veranlasst, die den Film und das SONNTAGSEVANGELIUM zusammenführen...


1953: Don Camillo steht in der überfluteten Kirche. Die Polesine ist über die Ufer getreten und hat den Ort Brescello unter Wasser gesetzt. Die Einwohner Brescellos sind mit ihrem Hab und Gut auf höheres Gebiet geflüchtet. Allein in der Kirche stehend wendet Don Camillo sich an die Gläubigen:


Da wir uns unter diesen Umständen kaum um den Altar unseres Herrn versammeln können, lasst uns wenigstens ein Gebet der Hoffnung hinauf zum Himmel senden.“

2020: Unter den derzeitigen Umständen können auch wir uns heute nicht in der Kirche zum Gottesdienst versammeln. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gegenseitig Hoffnung machen und vertrauensvoll in die Zukunft schauen. Dieser Ausschnitt aus dem Film „Don Camillos Rückkehr“ aus dem Jahr 1953 mit Don Camillos Predigt kann ein Wegweiser sein und uns zuversichtlich stimmen:


„Die Sonne wird wieder scheinen, die Blumen werden wieder blühen und der Mensch wird wieder von vorn anfangen. (...) Wir werden wieder das Hämmern aus der Werkstatt unseres Freundes Peppone hören, unseres geliebten Bürgermeisters, die Säge von Bionda wird wieder durch den ganzen Ort zu hören sein und das Pochen aus der Werkstatt des Schusters Rocca, das uns so oft im Schlaf gestört hat. Wie oft haben wir uns über den Lärm geärgert und wie sehr vermissen wir ihn jetzt. Auch das Geschrei unsrer Kinder, wenn sie durch die Straßen tobten.“

Ja, die Sonne scheint schön, die Blumen blühen, der Frühling hat begonnen. Das beste Wetter um draußen zu sitzen, das erste Eis des Jahres zu genießen, mit dem Rad zu fahren. Tatsächlich aber müssen wir auf so vieles, was zu unserem Alltag gehört und uns vielleicht auch stört (so wie der Lärm aus Roccas Werkstatt), verzichten. Wie länge? Das kann im Moment niemand sagen.


Aber möglicherweise werden wir dann, wenn alles wieder seinen normalen Gang geht, alle diese kleinen, alltäglichen Dinge anders zu würdigen wissen. Mit anderen Augen auf die kleinen Ärgernisse schauen, sie vielleicht gelassener hinnehmen und ruhiger ertragen. Einfach aus dem Grund, weil wir erfahren mussten, dass weitaus schlimmeres existiert als ein morgendlicher Stau auf der Autobahn oder Kunde vor uns an der Supermarktkasse, der umständlich sein Kleingeld zählt und damit alle anderen Kunden aufhält.


„Erinnern wir uns in späteren Zeiten an die Brüderlichkeit, mit der wir uns in Not und Gefahren geholfen haben.“


Ja, das wäre schön.

Wenn wir in der Rückschau feststellen, wie viele Menschen selbstlos geholfen haben - sei es durch Einkaufsdienste, sei es durch mutmachende Worte oder Gespräche, sei es durch Unterstützung jeglicher Art.

In den Krankenhäusern, in den Familien, bei den Behörden, in den Schulen und Kitas. Ja, ich hoffe, dass wir uns an diese Menschen erinnern und dass ihr Beispiel für uns Vorbild wird. Und dass wir auch selbst solche Menschen sind, an die man sich voller Dankbarkeit erinnert.


Im heutigen Evangelium heilt Jesus einen blind geborenen Mann. Und er sägt zu ihm: „Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.“ (Joh 9,39).

Dabei geht es nicht um das körperliche Sehen, die Sinneswahrnehmung, sondern um eine neue Art des Sehens: aufmerksam werden für die Kleinigkeiten, für das Schöne, das Einfache, das Alltägliche - oder wie Antoine de Saint-Exupery es in seinem „Kleinen Prinzen“ so treffend beschrieben hat: das Wesentliche, das man nur mit dem Herzen sieht und für die Augen unsichtbar ist. Es wäre schön, wenn uns diese Krise lehrt auf diese neue Art zu sehen und danach zu handeln.


Hanna Erdmann

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