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Bei uns passiert... vor 80 Jahren

Karfreitag

Fünf Märtyrerpriester aus der Region starben für ihren Glauben:

Einer davon war Pastor Johannes Schulz


Von Diakon Carsten Mayer


Im Kern des Christentums steht das Kreuz Christi. Christen Glauben, dass Jesus Christus am Kreuz gestorben ist, damit Gott in die tiefsten Tiefen der menschlichen Existenz hinabsteigen konnte. Er machte auch vor den schlimmsten Dunkelheiten nicht halt. Die dunkelste Zeit in der deutschen Geschichte ist der Nationalsozialismus. Gerade in der Fastenzeit im Zugehen auf den Karfreitag drängt es sich auf, auf Spurensuche nach Gott in dieser Zeit zu gehen.

Heilige haben Gott besonderen Raum in ihrem Leben gegeben. Sie werden für uns zu einem Spiegelbild Gottes.



Für „normale“ Christen sind Heilige also Vorbilder in ihrer Lebensführung, denn auch wir sollen Spiegelbilder Gottes in der Welt sein. Sie stellen immer wieder die Frage nach der Radikalität der eigenen Lebensentscheidung: Wie ernst meinst du es mit deinem Christsein?


Spannend fand ich seit dem Beginn meiner Zeit im Priesterseminar, mich auf die Suche nach Heiligen aus der Region zu machen.

Hier finden sich im Kurzporträt vier Märtyrer, die allerdings nicht formell heiliggesprochen sind, aus der Zeit des Nationalsozialismus: Pastor Joseph Bechtel und Kaplan Peter Schlicker aus Mendig, Johannes Schulz aus Nickenich und Josef Zilliken aus Wassenach.

Pfarrer Johannes Schulz

Johannes Schulz wurde am 3. April 1884 in Völklingen geboren.

Nach der Priesterweihe am 12. August 1911 war er bis zum ersten Weltkrieg als Kaplan im Saarland und im Ersten Weltkrieg bei der Feldseelsorge tätig.

„Neues Heidentum“ hatte er den Nationalsozialismus auf seiner ersten Pfarrstelle in Derlen genannt und prophezeite: „Mit Hitler kommt der Krieg.“

So musste er die Stelle räumen und wurde nach Nickenich versetzt.

Hier stellte er sein silbernes Priesterjubiläum unter das Motto:

"Ich bitte euch, Brüder, bei unserem Herrn Jesus Christus und bei der Liebe des Heiligen Geistes: Stehet mir bei im Kampfe durch eure Fürbitte bei Gott!" (Röm 15,30)

Trotz verschiedener Nachstellungen und Verfolgungen flaute sein Widerstand nicht ab. Er verteilte Flugblätter für die Religionsfreiheit und fügte den Hirtenbriefen des Bischofs eigene Kommentare hinzu.

Bei einem Besuch im Restaurant Waldfrieden am Laacher See zusammen mit seinem Freund Josef Zilliken kam es dazu, dass auch Generalfeldmarschall Hermann Göring ins Restaurant kam. Die Stimmung im Deutschen Volk war gerade völlig ausgelassen und euphorisch, denn der Frankreichfeldzug war gerade erfolgreich zum Ende gekommen.

Alle Gäste grüßten Göring begeistert mit dem Hitlergruß. Nur die beiden Priester verweigerten sich.

Am gleichen Abend des 27. Mai 1940 wurden die Priester verhaftet und ohne Gerichtsverhandlung später ins Konzentrationslager Dachau überführt.

Den Vorfall im Gasthaus Waldfrieden berichtete Göring sogar Hitler:

Auch Göring war in Hochstimmung. Beim Warten auf den Wagen vor dem Unterstand schilderte er Hitler sein jüngstes 'Abenteuer'. Einige Tage zuvor war er in einem Lokal am Rhein gewesen. Alle Gäste seien aufgestanden, nur zwei katholische Priester nicht. 'Denen habe ich es aber gezeigt. Ich habe sie ins KZ geschickt', sagte Göring lachend. 'Und habe befohlen, dort eine Stange mit einer alten Mütze von mir aufzustellen. Jetzt müssen sie jeden Tag daran vorbeimarschieren und den nationalsozialistischen Gruß üben.

Die beiden Geistlichen kamen ins Konzentrationslager und waren also besonders perfiden und zynischen Schikanen ausgesetzt.


Aus dem Konzentrationslager schrieb Johannes Schulz an Bischof Bornewasser:




"In letzter Zeit habe ich alle Gebete und Opfer für meine Firmlinge dargebracht,

dass sie vollendete Christen werden, wie die Zeit heute sie braucht für Kirche und Vaterland; wie Sebastianus sagte: ‘Mein Gewissen gehört Gott. Mein Schwert dem Kaiser.’ In gleicher Weise fühlte er als Christ und Soldat sich verpflichtet.

So gehörten auch von Anfang an meine Gebete und Opfer dem Gottesreich und Deutschen Reich. Ich hoffe, dass Gott mich hier wie im Seminar vorbereitet und dann ruft zur Arbeit an beiden. Ich freue mich darauf und warte in Ergebung.

Viel Halt und Freude bieten mir die Psalmen, besonders 125.”


Psalm 125

1 Ein Wallfahrtslied.

Die auf den HERRN vertraun, sind wie der Zionsberg:

Niemals wankt er, er bleibt in Ewigkeit.

2 Wie Berge Jerusalem rings umgeben,

so ist der HERR um sein Volk von nun an bis in Ewigkeit.

3 Nicht soll das Zepter des Frevels lasten auf dem Erbland der Gerechten,

damit nicht auch die Gerechten ihre Hände ausstrecken nach dem Unrecht.

4 Tu doch Gutes, HERR, den Guten, denen, die redlichen Herzens sind!

5 Doch die abbiegen auf ihre krummen Wege,

die lasse der HERR samt denen, die Unrecht tun, dahingehn.

Friede über Israel!

Schließlich starb Johannes Schulz während des „Hungersommers“

völlig entkräftet am 19. August 1942.

Im Sommer 2010 wurde durch die Bischöfe Felix Genn, der aus Wassenach stammt, und Bischof Stephan Ackermann, der aus Nickenich stammt, eine Gedenkmedaille am Gasthaus Waldfrieden für die beiden Geistlichen Johannes Schulz und Josef Zilliken enthüllt.

Johannes Schulz war ein Glaubenszeuge, der seinen Glauben mit seinem Leben bezeugte. Ebenso in unserer Region eingesetzt waren Joseph Bechtel, Pastor in Niedermendig, Peter Schlicker, Kaplan in Niedermendig und Josef Zilliken, Pastor in Wassenach, der mit ihm verhaftet wurde und der Ruhestandsgeistliche Wilhelm Caroli, in Kottenheim, und Maurus Münch, ein Benediktiner in St. Matthias in Trier, der aus Andernach stammte.

Mit ihnen waren 2579 Priester in Dachau inhaftiert und viele andere gaben Glaubenszeugnisse mit ihrer ganzen Existenz.

Die Glaubenszeugen haben nicht zu jedem Zeitpunkt erkannt, wie es mit ihnen weitergehen sollte. Sicher mussten sie viel Angst aushalten. Trotzdem haben sie in der gefährlichen, bedrückenden, aussichtslosen Lage immer wieder Mut bewiesen und gesehen, wohin sie Gott ruft. Eine unvorstellbare Treue haben sie dabei bewiesen.


Sie haben erkannt, welche Kräfte gerade gegen das Evangelium arbeiten und versuchen Jesus Christus zu verdrängen. Mutig sind sie seinem Ruf gefolgt und haben den Glauben bis in den Tod bezeugt. Dabei stehen sie in der großen Gesellschaft vieler Märtyrer im 20. Jahrhundert und über die Jahrhunderte.

Sie legen mit ihrem Leben und Sterben Zeugnis für das Kreuz Christi und für ihre Hoffnung auf die Auferstehung ab. Ein Ansporn für uns!

Video-Tour mit ehemaligem Häftling:

Der Mithäftling der vier Priester Hermann Scheipers erklärt, wie er das KZ Dachau erlebt hat.

https://www.youtube.com/watch?v=aaSiSZcVShg&feature=youtu.be

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