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Gottesferne und Feuer | Eine Mystik der Karwoche

von Diakon Carsten Mayer


Der Heilige Johannes vom Kreuz (1542-1591) war ein spanischer Mystiker. Er beschäftigte sich vor allem damit, wie Gott den Menschen reinigt und ihn zu mehr Liebe fähig macht. Dazu gehört auch die Erfahrung der Ferne Gottes. Diese beschreibt er mit „der dunklen Nacht“. Diese muss der Mensch unter der Führung Gottes durschreiten.


Damit der Mensch Gott mehr vertrauen und in die „dunkle Nacht“ folgen kann, muss er zuerst gereinigt werden und seinen Eigensinn aufgeben. Gott löst seine Verstrickung in eigene Pläne, die Gott wenig zutrauen. So kann der Mensch sich von Gott führen lassen.


Um diesen Vorgang zu beschreiben, benutzt Johannes vom Kreuz das Bild des reinigenden Feuers. Das Feuer verdampft erst das Wasser im Holz und verkohlt das Holz, bevor es richtig brennen kann. Das Holz wird schwarz, hässlich und riecht verkohlt. Erst dann fängt es richtig zu brennen an.

Es ist ein Bild, das, wie ich finde, gut in die Fastenzeit passt.

„Dieses läuternde und liebende Erkennen oder das göttliche Licht, von dem wir hier sprechen, geht bei der Läuterung des Menschen und dessen Vorbereitung auf die Vollkommene Einung mit sich genauso um, wie das Feuer mit einem Holzscheit, das es in sich überformt.

Das erste, was echtes Feuer mit einem Holzscheit macht, ist,

es allmählich auszutrocknen, indem es alle Feuchtigkeit heraustreibt

und alles Wasser, das es enthält, herausweinen läßt;

dann macht es das Holzscheit schwarz, dunkel und häßlich

und gibt ihm dazu noch einen üblen Geruch.

Durch die allmähliche Austrocknung befördert und treibt es alle häßlichen und dunklen Bestandteile, die dem Holzscheit im Gegensatz zum Feuer anhaften,

heraus ans Licht.


Und indem das Feuer das Holz allmählich von außen her entflammt und erhitzt, überformt es dieses in sich selbst und macht es so schön wie das Feuer.

In dieser Schlußphase gibt es für das Holzstück kein Erleiden

und keine Eigenwirkung mehr außer seiner Schwere und Masse,

die noch dichter ist als die des Feuers.


Es hat jetzt die Eigenschaften und die Wirkungen des Feuers in sich:

Es ist trocken und macht trocken, es ist warm und macht warm,

es ist licht und macht licht, und es ist viel leichter als vorher,

weil das Feuer in ihm diese Eigenschaften und Wirkungen hervorruft.“


(Johannes vom Kreuz: Die dunkle Nacht, 2. Buch 10,1)

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