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Mehr als nur Stoff und Ausstattung

Diakon Andreas Schlösser über eine Stola mit Botschaft


In der Begleitung trauernder Menschen mit trauernden Menschen ist mir Idee gekommen, zusammen mit der Textilkünstlerin Barbara Boos aus Nickenich eine Stola zu gestalten, die ein bisschen von dem Weg widerspiegeln soll, den wir Menschen in unserer Trauer gehen.

Liturgische Kleidung erfüllt nicht nur dann eine Funktion, wenn Sie ein Amt in der Kirche ausweist. Die liturgische Kleidung kann eine Botschaft vermitteln, die davon zeugt, was wir als Christinnen und Christen glauben und worauf wir unsere Hoffnung setzen.

Aus diesem Gedanken ist die Idee entstanden eine Trauer- oder Beerdigungsstola zu gestalten, die wiedergibt, welche Erfahrungen wir machen, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren.

Die Stola hat neben vielen schwarzen Elementen auch verschiedene Grautöne. Diese Farbwechsel von schwarz zu grau und die Auswahl der Stoffelemente von Wolle und Seide, symbolisieren den wechselvollen Weg, den wir als Trauernde gehen.


Trauer zerreißt, macht wütend, ohnmächtig und einsam. Wir klagen Gott an und fragen nach dem Warum. Dafür stehen die rauhen Wollelemente in der Stola.

Die grauen Seidenelemte stehen für das zarte Licht, das sich in unsere Trauer mischt. Gerade dann, wenn wir spüren, dass wir nicht alleine sind. Das wir getragen werden; dann, wenn wir schönes erleben und dabei sind mit dem Verlust des Anderen leben zu lernen.

In der Stola fallen zwei Elemente besonders auf und heraus. Es ist der Regenbogen. Er ist aber nicht so, wie wir ihn kennen. Er ist kein einheitliches Band, so wie wir ihn nach einem Regenschauer am Himmel sehen.

Im Alten Testament begegnet uns die Noahgeschichte und dort setzt Gott nach der Katastrophe der Sintflut ein Zeichen seines Bundes; den Regenbogen (Gen 9, 13-17).

Jedes Sakrament ist Zeichen des Bundes zwischen Gott und Mensch. Jedes Sakrament vergleiche ich mit dem Regenbogen.

Wenn Gott einen Bund mit mir schließt, dann lässt er mich auch nicht fallen, weder in meiner Trauer noch in meinem eigenen persönlichen Tod.

Der Regenbogen in der Stola ist gebrochen, verzerrt und seine Farben sind auseinandergerissen. Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, dann zerreißt es uns oft. Nach und nach fügen sich die Farben des Regenbogens wieder zusammen und wir finden zurück ins Leben, auch wenn die Trauer uns ein ganzes Leben lang begleitet. Aber sie verändert sich, im Laufe des Lebens.

Im Moment der Trauer und des Schmerzes sind wir getroffen und zerrissen, aber Gott steht zu seinem Bund mit uns und denen, die wir loslassen müssen.

Es kommt in der Symbolik der Stola noch etwas hinzu: Als Diakon trage ich die Stola quer von der linken Schulter hin zur rechten Hüfte, der Regenbogen befindet sich, wenn ich sie trage nicht auf der Stelle meines Herzens, sondern an der Seite. Auf dem Rücken in Höhe der Nieren, der Tod eines Menschen geht an die Nieren.

Jesus wurde am Kreuz mit dem Lanzenstich verwundet. Sein Blut ist der Neue Bund, den Gott mit uns endgültig geschlossen hat. Jesus ist als der Sohn Gottes selbst, durch das Leiden und Sterben gegangen und hat das Leiden erlöst.

Diese Stola soll ein Zeichen der Hoffnung in der Trauer sein.

Sie erinnert uns daran, dass Gott für uns das ewige Leben bereithält und dass wir nicht ins Leere gehen. Unsere Verstorbenen und auch uns ist das ewige Leben zugesagt. Alle Tränen wird er uns abwischen und unsere Trauer in Freude verwandeln.

Ihr Diakon Andreas Schlösser

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