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OSCAR ROMERO | Zivilcourage

Zum 40. Jahrestag seiner Ermordung


Oscar Romero (1917-1980) war ein nicht-unumstrittener Märtyrer und Heiliger aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er ist ein prominenter Verfechter der Befreiungstheologie in Südamerika, die das Thema der sozialen Gerechtigkeit stark in den Vordergrund gerückt hat.


Oscar Romero wurde 1917 in einfachen Verhältnissen in einer kleinen Stadt in El Salvador geboren. Nach seiner Bischofsweihe 1970 wurde er 1977 zum Erzbischof von San Salvador ernannt. Ein Schlüsselerlebniss für seinen bischöflichen Dienst war die Erschießung seines guten Freundes Pater Rutillo Grande SJ. Er hatte sich auf die Seite der Einfachen Bevölkerung bei Demonstrationen gestellt. Dieses Erlebnis führte zu einer deutlichen Veränderung bei Oscar Romero: „Als ich den toten Rutilio ansah, dachte ich: Wenn sie ihn für das umgebracht haben, was er getan hat, dann muss ich denselben Weg gehen wie er …“ Romero engagierte sich jetzt auch politisch für die Armen und kümmerte sich seelsorglich auch verstärkt um die Kranken.

Er wurde so zum Sprachrohr der Unterdrückten in El Salvador. Schließlich wurde er während der Feier der Heiligen Messe 24. März 1980 in San Salvador ermordet.

Seine Heiligsprechung fand am 14. Oktober 2018 statt.




Worte des Heiligen

Am Abend des 24. März 1980 feierte Erzbischof Romero in der Kapelle des Krankenhauses der Göttlichen Vorsehung das Jahresgedächtnis für Frau Sara de Pinto. Dies war seine letzte Messe. In der Predigt führte er aus:

Wir haben gerade die Worte Christi gehört. Es ist zwecklos, sich selbst zu lieben, sich vor den Gefahren des Lebens zu hüten. Die Geschichte stellt die Menschen in diese Gefahren, und wer ihnen ausweichen will, verliert sein Leben. Wer hingegen aus Liebe zu Christus sich in den Dienst der anderen stellt, wird leben, wie das Weizenkorn, das stirbt, aber nur dem Scheine nach. Stirbt es nicht, so bleibt es allein. Die Ernte setzt das Sterben voraus. Nur was sich auflöst, trägt Frucht. Das Evangelium lehrt uns, dass es dem Menschen nichts nützt, die Welt zu gewinnen, wenn er sich selbst verliert. Dessen ungeachtet soll man trotz der Hoffnung auf ein besseres Jenseits nicht aufhören, sich um die Neugestaltung dieser Erde zu bemühen, die für die Menschen die Vorstufe für das Leben nach dem Tod ist. Obwohl man den zeitlichen Fortschritt vom Wachsen des Reiches Jesu Christi sorgfältig unterscheiden muss, darf man ihn nicht vernachlässigen, weil er in enger Beziehung zum Reich Gottes steht.

Das Reich ist bereits im Keim auf der Erde gegenwärtig. Wenn der Herr kommt, wird es sich vollkommen verwirklichen. Dies ist die Hoffnung, aus der wir Christen leben. Wir wissen, dass jedes Bemühen um eine Besserung der Gesellschaft, besonders wenn sie so sehr wie die unsere in Ungerechtigkeit und Sünde verstrickt ist, von Gott verlangt und gesegnet wird. Ich bitte euch, liebe Brüder und Schwestern, dies alles mit Hoffnung, Hingabe und Aufopferung im Auge zu behalten, und das zu tun, was noch möglich ist. Wir alle können etwas tun, und sei es nur, zur Verständigung beizutragen. Diese vorbildliche Frau, deren Jahresgedächtnis wir begehen, konnte vielleicht nicht direkt etwas tun, sie hat aber diejenigen ermutigt, die arbeiten und kämpfen konnten. Ihr Gebet und Verlangen nach Gerechtigkeit und Frieden sind auch nach ihrem Tod eine Botschaft für uns. Wir wissen, dass niemand für immer stirbt und dass diejenigen, die ihre Aufgabe mit tiefem Glauben, mit Hoffnung und Liebe erfüllt aben, die Krone erhalten werden. In diesem Sinne beten wir für Doña Sarita und für uns selbst … In diesem Augenblick fiel der tödliche Schuss. Die gesellschaftlich-politischen Systeme, in denen wir uns befinden, beruhen auf materialistischen Auffassungen, die das christliche Verständnis der menschlichen Person zerstören oder verdunkeln. Für den Kapitalismus ist der Mensch ein Objekt der Ausbeutung und ein Konsument im Dienst des Götzen Geld. Für die nationale Sicherheit ist er ein Sockel, der sich immer unter den Füßen des Götzen Macht befinden muss. Für den Kommunismus in dem Sinn, den unser christlicher Glaube nicht akzeptieren kann und der gewisse Kämpfe für die Forderungen unseres Volkes inspiriert, ist der Mensch auch der Sklave einer materialistischen Diktatur.

Gegenüber diesen Auffassungen vom Menschen und gegenüber weiteren, die ebenso falsch sind, behauptet und verteidigt die Kirche die von Gott geoffenbarte ewige Wahrheit: Der Mensch ist Abbild Gottes; durch das Erlösungswerk Jesu Christi aus der Sklaverei der Sünde befreit und zur Würde eines Gotteskindes erhoben, ist er freier Herr seines Schicksals und Erbe der ewigen Herrlichkeit Gottes.

Quelle: Oscar SA. Romero: In meiner Bedrängnis - Tagebuch eines Märtyrerbischofs 1978 - 1980, hrsg. von Emil L. Stehle. Herder, Freiburg i. B. 1993, S.335f, 26f





Zitat von Oscar Romero:

Transzendenz bedeutet nicht: zum Himmel schauen, an das ewige Leben denken und über die Probleme der Erde hinweggehen. Vielmehr handelt es sich um eine Transzendenz, die dem menschlichen Herzen gilt. Sie bedeutet, sich auf das Kind, auf den Armen, auf den in Lumpen Gekleideten, auf den Kranken einzulassen, in die Elendshütten und Häuser zu gehen und mit ihnen allen zu teilen. Transzendenz bedeutet, aus der Mitte des Elends selbst diese Lage zu überschreiten, den Menschen zu erheben, ihn voranzubringen und ihm zu sagen: Du bist kein Abfall. Du gehörst nicht an den Rand. Das Gegenteil ist der Fall: Du hast eine große, große Bedeutung. (23. September 1979)

Quelle: Oscar Romero - Adveniat






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