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Pieta




Diese kleine  Bronzeplastik, kaum 30 cm hoch, entdeckte ich Anfang des Jahres in einer Nische des "Museums am Dom" in Trier. 

Gleich war ich ganz von ihr gefangen genommen. 

Ein Mensch, vielleicht eine Frau in fließendem Kleid, stemmt einen leblosen Körper mit ausgestreckten Armen in die Höhe, dem Himmel entgegen.

Der leblose Körper spannt sich wie ein Bogen über die Frau. 

Und ich sah eine Klage, mehr noch eine Anklage. Da klagt jemand an, stemmt den geliebten Toten zum Himmel empor. Zeigt den kraftlosen, geschundenen Körper alle Welt. Reckt ihn empor bis vor das Angesicht Gottes.

Und legt alles Elend, alle Trauer und allen Schmerz mit hinein. 


Und zugleich sah ich einen Tanz.

Einen hingebungsvollen Tanz, der mir vom Leben sang, von der Liebe und der Hoffnung wider aller Hoffnung. Einen Totentanz, der ahnungsvoll über sich selbst hinaus weist. Einen Tanz des Lebens. Ein Einschwingen und Drehen und Wirbeln mitten hinein in die Ewigkeit.


Auf einem kleinen Schildchen las ich "Pietà" von Bernhard Philipp. 

Und staunte.

Maria und ihr toter Sohn.

So eine Pietà hatte ich noch nie gesehen.

Und jetzt verstand ich auch die Symbiose von erschütterter Anklage und österlichem Tanz.


Neugierig suchte ich und fand spärliche Hinweise auf den Künstler:

Bernhard Philipp, ein Kapuzinerbruder aus dem Kloster Stühlingen, der 2013 im Alter von 65 Jahren gestorben ist und der wohl auch im Bistum Trier hier und da gewirkt hat, z.B. in der Ausbildung der Pastoraltheologen. 

Wochen später dann fiel mir in der Osterzeit beim Stöbern in meinen Büchern der sehr besondere Text "Pieta" von Bruder Andreas Knapp (aus dem Orden der Kleinen Brüder in Leipzig, Jahrgang 1958, der einer der bekanntesten Autoren geistlicher Gedichte/ Theolyrik ist) in die Hände.

Und eines fügte sich zum anderen.


Vielleicht sind für manchen Betrachter sowohl Text als auch Skulptur erst einmal befremdlich, herausfordernd, auch verstörend.

Ich möchte Sie einladen sich dennoch einmal die Zeit zu nehmen und Skulptur und Gedicht eine Chance zu geben. 

Eine Chance Gott und Mensch, Jesus, Maria & mich selbst und mein Leben mit neuen, anderen Augen zu sehen.

Und vielleicht beim nächsten Ausflug nach Trier im "Museum am Dom" nach der Pietà von Bernhard Philipp Ausschau zu halten.

Es lohnt sich!

Herzlich 

Katharina Weinzheimer

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