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Respekt - auch eine Art heilsamer Abstand…




In der deutschen Sprache gibt es mit „Gebot“ und „Verbot“ zwei sprachlich sehr nah verwandte Worte über das, was zu tun und das, was zu unterlassen ist. So richtig sympathisch ist uns modernen freiheitsliebenden Menschen wohl keines der beiden Geschwisterteile, denn wir wollen nach Möglichkeit weder in einem negativen Sinn durch Verbote beschnitten, noch positiv durch Gebote von Außen in irgendeine Richtung gegängelt werden.

Vor diesem Hintergrund ist es schon erstaunlich, welche Konjunktur und sogar welche Akzeptanzwerte es für beide Spielarten in Corona-Zeiten gibt. Um der Gesundheit willen sind Menschen zumindest zeitweilig bereit, sich Kontaktverboten zu fügen oder – positiv gewendet im Sinne eines Gebotes der Stunde - Abstand voneinander zu halten.

Ein sichtbares Zeichen dieses Abstandsgebots sind Markierungen auf dem Fußboden, wie wir sie immer häufiger in den wenigen noch geöffneten Geschäften und Einrichtungen antreffen. Sie sollen helfen, einen Abstand einzuhalten, der uns vor einer Ansteckung durch Andere, aber auch Andere vor einer Ansteckung durch uns schützt. Mitunter bilden sich wegen dieses Abstandsgebots schon einmal längere Schlangen und während der Wartezeit in einer solchen Schlange ist mir auch der Gedanke gekommen, hier für diesen Blog einmal einen Beitrag über Respekt als eine andere Form des heilsamen Abstands zu schreiben.

Als visuelle Brücke und Anregung beziehe ich mich auf das oben abgebildete Motiv einer Postkarte, die vor etwas über zwei Jahren im Rahmen einer Kampagne zur inhaltlichen Neuorientierung des Bistums Trier entstanden ist. Es zeigt Füße, die vor der Abstandsmarkierung eines Bahnsteigs innehalten. Die englische Schrift „Keep clear“ fordert dazu auf, einen Bereich freizuhalten. Auch hier geht es übrigens sowohl um Rücksicht auf Andere, die möglichst sicher und unbehelligt aussteigen können sollen, als auch um Selbstschutz vor einfahrenden Zügen.

Für unsere Auswahl gerade dieses Motivs spielten damals die Füße und die Schuhe eine besondere Rolle, denn sie erinnern an die Bibelstelle vom brennenden Dornbusch im Buch Exodus, in der Moses aufgefordert wird, aus Respekt vor Gott stehenzubleiben und die Sandalen auszuziehen :„Komm‘ nicht näher heran! Zieh‘ deine Schuhe aus, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden!“ (Ex 3,5). Diese Stelle wiederum gehört zu den wichtigsten Bezugsstellen für Papst Franziskus, der im Rahmen seiner Predigten und Lehrschreiben immer wieder betont, dass jeder Mensch „heiliger Boden“ ist und Respekt verdient (z.B. in Nr. 169 von seinem ersten Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ aus dem Jahr 2013 oder in Nr. 67 des Apostolischen Schreibens „Christus vivit“, das 2019 in Folge der Jugendsynode von 2018 veröffentlicht wurde.)

Möge uns in diesem Sinn das Gebot des Abstands um der körperlichen Gesundheit willen auch Anregung sein, darüber nachzusinnen, inwiefern Empfehlungen wie „Bevormundet und vereinnahmt nicht! Hört erstmal zu! Urteilt nicht nach dem ersten Eindruck! Steckt Leute nicht in eine Schublade!“ („Re-spectare“ heißt auf Lateinisch übrigens „wieder hinschauen“) wichtige Mahnungen an eine um Glaubwürdigkeit ringende Kirche sind und auch dem Seelenfrieden unserer Mitmenschen und von uns selbst dienen können. (RU)

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